Interview with Ambassador Gardner: “US-Botschafter am Schleifbock” Rheinische Post (8 March 2016)

Rheinische Post
8. März 2016 |
Solingen
US-Botschafter am Schleifbock

US-Botschafter Anthony L. Gardner (l.) besuchte gestern Pfeilring und informierte sich auch in der Produktion, begleitet von Geschäftsführer Torsten Korb. Mitarbeiter André Stolz zeigte das Handwerk  bei der Fertigung.FOTO: Köhlen

Solingen. Der amerikanische Botschafter Anthony L. Gardner und Pfeilring-Chef Torsten Korb werben  bei einem Besuch des US-Diplomaten bei dem Solinger Traditionsunternehmen gemeinsam für das  umstrittene Freihandelsabkommen TTIP. Von Fred Lothar Melchior 5000 bis 10.000 Euro für jedes Produkt: So viel kostet es Pfeilring, seine Maniküre- und Pflegeartikel auf  den amerikanischen Markt zu bringen. Die Zertifizierung in Deutschland und den USA mag ähnlich sein.

“Manchmal sind es aber schon Unterschiede bei der Groß- und Kleinschreibung, die wir berücksichtigen  müssen”, sagt Torsten Korb, der geschäftsführende Pfeilring-Gesellschafter. Korb setzt sich deshalb für das geplante Handelsabkommen zwischen den USA und der Europäischen
Union ein (TTIP). Gestern tauschte er Erfahrungen mit Anthony L. Gardner aus, dem Botschafter der USA  bei der EU. Gardner, der zuvor mit RP-Redakteuren in Düsseldorf gesprochen hatte, war nach dem  Firmenrundgang in Solingen beeindruckt: “Es ist sehr nützlich, einmal die praktischen Auswirkungen zu  sehen, die das Freihandelsabkommen mit sich bringt.” TTIP sei eine seltene Chance; bis Jahresende  sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein.

Pfeilring stellt gerade bei der Houseware Show in Chicago aus und freut sich über gute Resonanz. 2013  hat das Solinger Traditionsunternehmen eine Tochterfirma in Atlanta gegründet und beliefert von dort  vor allem Kunden an der Ostküste. Mit 150 Produkten macht Pfeilring rund fünf Prozent seines
Umsatzes in Amerika. Noch in diesem Jahr will Geschäftsführer Korb außerdem eine Pinzetten-Fertigung  im Raum Atlanta aufbauen – mit zunächst zehn Mitarbeitern. Deutsche Qualitätsprodukte haben in den USA einen guten Ruf. Deutsches Ingenieurwesen, kombiniert  mit einer Fertigung vor Ort, sei eine unschlagbare Kombination, erläutert Korb. Gefragt sind beispielsweise Rasiermesser, die Pfeilring unter der Marke Golddachs anbietet. Für den
Hohlschliff wurde bei Pfeilring ein automatisiertes Verfahren entwickelt. Botschafter Gardner sah neben  den Robotern aber auch die traditionelle Fertigung und nahm sogar am Schleifbock Platz – deutete mit  den Fingern aber eher Bewegungen auf der Computertastatur an.

Auch der Industrieverband Schneid- und Haushaltwaren befürwortet TTIP. “Die Vorteile überwiegen mit  Abstand”, betont dessen Geschäftsführer Jens-Heinrich Beckmann. “Wenn man Barrieren abbaut, ist das  immer besser, als sich abzuschotten.” Was mit den unterschiedlichen Standards beim Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitsschutz geschehe, müsse jedoch aufmerksam begleitet werden. Jens-Heinrich  Beckmann: “Auch Schiedsgerichte mit teuer bezahlten Anwälten kann man kritisch sehen.” Sie könnten  gerade für kleinere Unternehmen zu einem Problem werden.
Quelle: RP